Herzlich willkommen auf  meiner Website!

Ich würde mich freuen, wenn Sie hier und da beim Reinschauen vielleicht ein paar gute Anregungen finden!

NEU:

  • „Soll“ oder „Haben“? Oder was? – Indikativ statt Konjunktiv!! – bei Röm 5,1 mal genau hingeschaut – unter „Biblische Brosamen“.
  • Wie war das mit den „fetten und mageren Jungfrauen“? Und: „Der Hirte und die Stallfütterung“ – unter „Kuriosa“.
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28. Februar 2021
2. Sonntag der Passionszeit: „Reminiszere“

„Gott erweist seine Liebe zu uns darin, dass Christus für uns gestorben ist, als wir noch Sünder waren.“ (Röm 5,8)

Als Lesung für diesen Sonntag vorgesehen: Röm 5,1-5(-11).
Zu Röm 5,1 > siehe unter „Biblische Brosamen„!

Die heutige Losung:

Gott der HERR sprach: Es ist nicht gut, dass der Mensch allein sei.

1. Mose 2,18

Als Jesus seine Mutter sah und bei ihr den Jünger, den er lieb hatte, spricht er zu seiner Mutter: Frau, siehe, das ist dein Sohn! Danach spricht er zu dem Jünger: Siehe, das ist deine Mutter! Und von der Stunde an nahm sie der Jünger zu sich.

Johannes 19,26-27

© Evangelische Brüder-Unität – Herrnhuter Brüdergemeine
Weitere Informationen finden Sie hier

Die Passionszeit beginnt!
oder:
Buß-Maske statt Faschingsmaske??

Martin Luther (aus seinen Tischreden):

„Es war in Wurzen [in Sachsen] oder nicht weit davon ein Narr, der hatte sich in der Fastnachtszeit traurig gekleidet, übel gehabt und kläglich gestellet. Hinwiederum in der Marterwochen [Passionszeit / Fastenzeit] zog er schöne Kleider an und war fröhlich und guter Dinge. Als man ihn nun fragte, warum er solches täte, da antwortete er:

‚In der Fastnacht geschehen viel Sünden, da soll man billig traurig sein. Aber in der Marterwochen predigt man, wie Christus für die armen Sünder gestorben sei. Darum soll man fröhlich sein.

Das ist eine feine Rede gewesen von einem Narren.“

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[Zu So., 28.02.2021]

Statt Liebe und Treue – nur Hilfeschreie!

Vom großen Propheten Jesaja stammt das „Weinberglied“. Ich kann mir gut vorstellen, wie er es gesungen hat. Auf einem Marktplatz. Oder im Gelände des Tempels von Jerusalem. Bei so einem Auftritt haben die Leute hingehört. Sie waren gespannt auf ein schönes Lied. Auf ein frommes Lied. Der Prophet singt. Und dann kam dies.

Die Gute-Nachricht-Übersetzung hat (als einzige Übersetzung!) versucht, im Deutschen daraus wieder gereimte Verse zu machen. Ein Lied eben. Und dann klingt das so, was da Jesaja in seinem 5. Kapitel singt (Jes 5,1-7):

Hört mir zu! Ich singe euch das Lied meines Freundes von seinem Weinberg:

Auf fruchtbarem Hügel,
da liegt mein Stück Land,
dort hackt ich den Boden
mit eigener Hand,

ich mühte mich ab
und las Felsbrocken auf,

baute Wachtturm und Kelter,
setzte Reben darauf.

Und süße Trauben erhofft ich zu Recht,
doch was dann im Herbst wuchs,
war sauer und schlecht.

Jerusalems Bürger, ihr Leute von Juda,
was sagt ihr zum Weinberg, was tätet denn ihr da?
Die Trauben sind sauer – entscheidet doch ihr:
War die Pflege zu schlecht? Liegt die Schuld denn bei mir?

Ich sage euch, Leute, das tue ich jetzt:
Weg reiß ich die Hecke, als Schutz einst gesetzt;
zum Weiden solln Schafe und Rinder hinein!
Und die Mauer ringsum – die reiße ich ein!
Zertrampelnden Füßen geb ich ihn preis,
schlecht lohnte mein Weinberg mir Arbeit und Schweiß!
Ich will nicht mehr hacken, das Unkraut soll sprießen!
Der Himmel soll ihm den Regen verschließen!

Der Weinberg des Herrn – seid ihr Israeliten!
Sein Lieblingsgarten, Juda, – seid ihr!
Er hoffte auf Rechtsspruch – und erntete Rechtsbruch,
statt Liebe und Treue nur Hilfeschreie!

Später hat Jesaja in seiner Verkündigung dieses Thema vom Weinberg noch einmal aufgegriffen. Jahre später, und in seinem Buch 22 Kapitel später. Es besteht Hoffnung für den Weinberg! Jesaja schreibt (Jes 27,1-4.6):

An jenem Tage sagt der HERR zu euch:
„Ich habe einen wundervollen Weinberg;
singt alle, singt ein Lied zu seinem Ruhm!
Ich selber bin sein Wächter, ich, der Herr,
und alle Augenblicke tränk‘ ich ihn.

Bei Tag und Nacht bewache ich den Weinberg,
damit ihm nichts und niemand schaden kann.
Mein heißer Zorn auf ihn ist abgekühlt.
Doch wenn ich Dornen oder Disteln finde,
dann gibt es einen schonungslosen Krieg,
sie werden ausgerissen und verbrannt. …

Es kommt eine Zeit,
da werden die Nachkommen Jakobs
aufs neue Wurzeln schlagen.
Israel wird wieder blühen und gedeihen
und die ganze Erde mit seinen Früchten bedecken.“


Foto oben by Rudolpho Duba_pixelio.de
Foto unten by Christoph Aron_pixelio.de

[zu Joh 13,21-30 am S0., 21.02.2021]

Hoffnung für Judas?

Jesus sagt:

„Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Einer von euch wird mich ausliefern.“ (Joh 13,21)

Der Evangelist berichtet:

„Als nun Judas, der ihn ausgeliefert hatte, sah, dass Jesus verurteilt war, reute ihn seine Tat. Er brachte den Hohepriestern und den Ältesten die dreißig Silberstücke zurück und sagte: Ich habe gesündigt, ich habe unschuldiges Blut ausgeliefert. Sie antworteten: Was geht das uns an? Das ist deine Sache. Da warf er die Silberstücke in den Tempel; dann ging er weg und erhängte sich.“ (Mt 27,3-5).

Amos Oz zu Judas:

Jesus spricht am Kreuz „diese entsetzlichen, diese, wenn man so will, gotteslästerlichen Worte: ‚Warum hast du mich verlassen?‘ Er sagt nicht ‚Vater‘ oder ‚mein Vater‘, er sagt ‚mein Gott‘. So oft hat Jesus Gott als Vater angesprochen – doch nicht jetzt. Jetzt ruft er: ‚Gott, o mein Gott, warum hast du mich verlassen?‘

Er stirbt am Kreuz, und Judas erkennt, dass man ihn eines unausdenkbar schrecklichen Vergehens anklagt: Er hat seinen Herrn getötet. Er hat seinen Lehrer getötet. Er hat seinen Rabbi getötet. Er hat seinen besseren Bruder getötet. Er hat das Licht des Lebens getötet. Er hat seinen Gott getötet. Er hat den Menschen getötet, den er auf Erden am meisten geliebt hat. Er hat einen Menschen getötet, den er mehr geliebt hat als seine Mutter und seinen Vater, und er hat ihn getötet, indem er zu viel von ihm verlangt hat, indem er die sofortige Erlösung verlangt hat, indem er das Kommen des Himmelreichs am nächsten Tag, in der nächsten Stunde, im nächsten Augenblick verlangt hat. Und da geht er hin und erhängt sich.

Dies ist die Theorie von Schmuel Asch – die alternative Geschichte. Ist es vielleicht wirklich so gewesen in Jerusalem, an jenem furchtbaren Freitag? Ich weiß es nicht; ich hatte damals einen Zahnarzttermin. Ich war nicht dort. Aber ich kann sagen, dass diese Geschichte zumindest meiner unmaßgeblichen Meinung nach überzeugender klingt als die unmögliche, widerliche, erbärmlich schlecht geschriebene Geschichte von jenem Kuss und den Silberlingen und dem Verrat und dem Gottesmord.“

(Amos Oz, Jesus und Judas. Ein Zwischenruf, Ostfildern 1989, S. 38-40.)

Das Christentum hätte dem Judas nicht nur zugutehalten können, dass er Reue gezeigt hat; es hätte ihm auch zugutehalten können, dass der Verrat des Judas ein Teil des Heilsgeschehens war. Hätte es ohne den Verrat den Tod am Kreuz, hätte es die Auferstehung, hätte es das Christentum gegeben? Man könnte Judas zugutehalten, dass er eigentlich nur die Rolle gespielt hat, die vorbestimmt war, die irgendjemand übernehmen musste – und er letztlich im Einklang mit dem Willen Jesu gehandelt hat. War er ein Verräter aus Gehorsam? Dichter haben solche Gedanken eindrucksvoll entwickelt. Sie verlangten, Judas selig zu preisen, weil er den Verrat auf sich genommen habe, so wie Jesus das Kreuz auf sich genommen habe.

Heribert Prantl, Süddeutsche Zeitung, 31. März 2018 

Jesus trägt Judas „nach Hause“ – ?

Jesus trägt den toten Judas – wie ein Hirte das verletzte oder verlorene Schaf – und bringt ihn nach Hause!

Diese Darstellung zeigt ein Säulenkapitell aus dem 12. Jahrhundert in der Kathedrale Sainte Marie-Madeleine in Vézelay (Burgund). „Judas und der gute Hirte“ könnte dieses Bild heißen.

Links sieht man Judas mit aufgerissenen Augen und weit heraushängender Zunge, verzweifelt, hilf- und wehrlos am Strick an einem Baum hängen. Er hat sich – „verstrickt“ in seine Schuld – selbst getötet. Er wusste nicht mehr aus und ein. Er war verzweifelt. Er hatte sich getäuscht.

Rechts ist zu sehen, wie jemand den toten Judas vom Baum nimmt und auf seine Schultern gelegt hat. Nun trägt er ihn – wie ein Hirt das verletzte oder verlorene Schaf – und bringt ihn nach Hause.

Papst Franziskus hat auf dieses Kapitell von Vézelay schon mehrmals in seinen Predigten auf den jungen Mann, auf Jesus, hingewiesen, der Judas auf den Schultern trägt. „Die Barmherzigkeit ist ein Geheimnis, sie ist das Geheimnis Gottes“, sagte Papst Franziskus mit Blick auf Judas.

Das Kapitell fällt aus dem Rahmen und ist in der Kunstgeschichte einzigartig. Die romanische Basilika zusammen der ganzen Stadt Vézelay im französischen Burgund sind Weltkulturerbe. Nicht nur das Ensemble von Dom und Häusern, auch Details wie die Kapitelle der Kirche sind weltberühmt. 

Die Sonntage der Passionszeit
(mit Wochensprüchen)

21. Februar 2021
1. Sonntag der Passionszeit: „Invokavit“
„Dazu ist erschienen der Sohn Gottes, dass er die Werke des Teufels zerstöre.“ (1Joh 3,8)

28. Februar 2021
2. Sonntag der Passionszeit: „Reminiszere“
„Gott erweist seine Liebe zu uns darin, dass Christus für uns gestorben ist, als wir noch Sünder waren.“ (Röm 5,8)

7. März 2021
3. Sonntag der Passionszeit: „Okuli“
Jesus sagt: „Wer seine Hand an den Pflug legt und sieht zurück, der ist nicht geschickt für das Reich Gottes.“ (Lk 9,62)

14. März 2021
4. Sonntag der Passionszeit: „Lätare“
Jesus sagt: „Wenn das Weizenkorn nicht in die Erde fällt und erstirbt, bleibt es allein; wenn es aber erstirbt, bringt es viel Frucht.“ (Joh 12,24)

21. März 2021
5. Sonntag der Passionszeit: „Judika“
Jesus sagt: „Der Menschensohn ist nicht gekommen, dass er sich dienen lasse, sondern dass er diene und gebe sein Leben als Lösegeld für viele.“ (Mt 20,28)

28. März 2021
6. Sonntag der Passionszeit: „Palmsonntag“
Jesus sagt: „Der Menschensohn muss erhöht werden, damit alle, die an ihn glauben, das ewige Leben haben.“ (Joh 3,14.15)

1. April 2021
Gründonnerstag
„Er hat ein Gedächtnis gestiftet seiner Wunder, der gnädige und barmherzige Herr.“ (Ps 111,4)

2. April 2021
Karfreitag
Jesus sagt: „Also hat Gott die Welt geliebt, dass er seinen eingeborenen Sohn gab, damit alle, die an ihn glauben, nicht verloren werden, sondern das ewige Leben haben.“ (Joh 3,16)

4. April 2021
Ostersonntag
Jesus sagt: „Ich war tot, und siehe, ich bin lebendig von Ewigkeit zu Ewigkeit und habe die Schlüssel des Todes und der Hölle.“ (Offb 1,18)