Billige Gnade – Teure Gnade

„Billige Gnade ist der Todfeind unserer Kirche. Unser Kampf heute geht um die teure Gnade.“ schreibt Dietrich Bonhoeffer 1937. Er trifft damit ein Thema, das auch heute wieder höchst aktuell ist. „Billige Gnade heißt Gnade als Schleuderware, verschleuderte Vergebung, verschleuderter Trost, verschleudertes Sakrament; Gnade als unerschöpfliche Vorratskammer der Kirche, aus der mit leichtfertigen Händen bedenkenlos und grenzenlos ausgeschüttet wird; Gnade ohne Preis, ohne Kosten. … Billige Gnade heißt Gnade als Lehre, als Prinzip, als System; heißt Sündenvergebung als allgemeine Wahrheit, heißt Liebe Gottes als christliche Gottesidee. Wer sie bejaht, der hat schon…

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Weiß ich, was ich tue? Oder tue ich, was ich nicht weiß?

Ein apokryphes Jesus-Wort: „An demselben Tag sah er (Jesus) jemanden am Sabbat arbeiten und sagte zu ihm: Mensch, wenn du weißt, was du tust, bist du selig (glücklich)! Wenn du es nicht weißt, bist du verflucht und ein Übertreter des Gesetzes.“ Dieser Ausspruch von Jesus steht im Lukasevangelium – jedoch nur in einer einzigen Handschrift, dem Codex Bezae Cantabrigiensis (bis 5. Jahrhundert). In allen anderen Handschriften fehlt dieser Satz. Bevor nun gleich gescheite Theologen (mit Recht) sagen, dass diese Handschrift überhaupt nicht sehr zuverlässig ist, dass der Ausspruch sekundär und nicht authentisch…

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Die Radikalität Jesu

Es ist gut verständlich, dass man alle offen sichtbaren radikalen Elemente der Botschaft Jesu immer wieder in ihrer Bedeutung abgewiegelt und in ihren Konsequenzen verharmlost hat. Die Gründe dafür sind unterschiedlich: Da ist einmal eine Konsequenz, die man aus der Rechtfertigungslehre ziehen zu müssen meint. So versteht man die Bergpredigt, die – exegetisch gesehen – zweifellos radikal gedacht ist, dann nur noch als ein Programm, das dem Menschen lediglich sein Scheitern vor Augen führen soll. Oft scheint das Motto zu gelten: Bloß keine Leistung verlangen, man könnte sich ja überfordert fühlen. Ich…

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Gegen die Verharmlosung Jesu

Jesus wird verharmlost, wenn er nur als sympathischer Rabbi, als wortmächtiger Prophet oder als begabter Charismatiker dargestellt wird – oder gar nur als erster Feminist, radikaler Sozialrevolutionär oder menschenfreundlicher Sozialarbeiter. Mit all dem wird sein wahrer Anspruch verdeckt. Mit all dem wird Jesus verkürzt, entstellt, zurechtgebogen, glattgeschliffen, entmachtet und unseren heimlichen Wünschen angepasst. Das Christentum muss heute in dem Supermarkt der vielen Religionen und Weltanschauungen seine eigene Identität behaupten. Oder soll ich sagen: Es muss sie überhaupt erst wiederfinden? Auf jeden Fall muss es zeigen, was das unterscheidend Christliche ist. … Da…

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Wer wartet?

Jes 30,15.18 (Einheitsübersetzung): So spricht der Gott, der HERR, der Heilige Israels: Durch Umkehr und Ruhe werdet ihr gerettet, im Stillhalten und Vertrauen liegt eure Kraft. ... Darum wartet der HERR darauf, euch gnädig zu sein, darum erhebt er sich, um sich eurer zu erbarmen. Denn der HERR ist ein Gott des Rechts. Selig alle, die auf ihn warten! Worauf warten wir? (von Arnim Juhre) Worauf warten wir. Jahr um Jahr. Tag für Tag. Heute. Jetzt. Oder warten wir auf nichts. Kennen wir den der kommen wird oder den der immer da…

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Verrückt vor Liebe

Die große Vision des Alfons Maria von Liguori*: Fasziniert war Alfons von einem Gott, der "verrückt vor Liebe" nach dem Menschen ist und der nur deswegen das Drama von Menschwerdung, Tod und Auferstehung "inszeniert". Gott will und kann nicht ohne den Menschen sein, deshalb macht er sich im Menschgewordenen selbst auf den Weg zu dem Geliebten, der ihm davongelaufen ist. Wie ein über beide Ohren verliebter Mensch, der alles für den, für die Geliebte unternimmt, ist Gott nichts zu "dumm" oder zu gefährlich, um die Liebe des Menschen zu gewinnen. *) Alfons…

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Die therapeutische und geistliche Wirkung des Kirchenjahres entfalten lassen …

Wer bewusst die Zeit des Kirchenjahres mitlebt, kann entdecken, dass das Kirchenjahr eine therapeutische und geistliche Wirkung entfaltet. Denn zum einen gilt: „Die Feste des Kirchenjahres weisen uns ein in der Geheimnis der Menschwerdung, in ihnen wird der Prozess menschlicher Selbstwerdung dargestellt. Jesu Leben ist nicht nur ein historisches, sondern es ist auch ein Urbild, das uns zeigt, wie unser Weg zu Gott und zu unserem wahren Selbst gelingt.“ Und dann hilft uns das Kirchenjahr dabei, in die Geschichte einzusteigen, die Gott mit uns Menschen hat. Es kann helfen, Gott immer wieder…

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„Du machst dir Sorgen und Mühen um vielerlei …“

"Du machst dir Sorgen und Mühen um vielerlei ..." (Lk 10,38-42) Es muss immer etwas geschehen, damit nicht geschieht, was am meisten zu fürchten ist: dass einmal nichts geschieht. Dass etwa Stille eintritt, Schweigen, oder ein Wort, dem wir nicht gewachsen sind. Lothar Zenetti, Die wunderbare Zeitvermehrung, S. 41

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Warum sagt Gott nicht, dass es ihn gibt?

Manfred Lütz (Psychiater, Psychotherapeut und Theologe): Ich bin mit 14 Jahren Atheist geworden. Ich fand Religion eine Sache für Kinder, deren Verstand noch nicht reif genug ist. Was ich vor allem nicht verstand, war, warum Gott nicht einfach ein für alle Male klar und unmissverständlich sagt, dass es ihn gibt, damit man nicht immer so unsicher ist. Ich bin dann unter anderem dadurch wieder zum Glauben gekommen, dass ich begriff, dass ich dann dem allmächtigen ewigen Gott gegenüber ja gar nicht wirklich frei sein könnte, dass ich mich ihm dann einfach nur…

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In die Spur des Glaubens finden …

Der Messias hat gesagt: "Vier Dinge sind nur mit großer Mühe zu erlangen: - Schweigen, - der Anfang des frommen Lebens, - die Demut, oft an Gott zu denken, - und Bescheidenheit in Bezug auf die Notwendigkeiten dieser Welt." Agraphon (ein außerbiblisches Jesus-Wort, 1.-5. Jahrhundert)

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Heute schon dem Schweigen entkommen?

"Du machst dir Sorgen und Mühen um vielerlei ..." (Jesus in Lk 10,38-42) Es muss immer etwas geschehen, damit nicht geschieht, was am meisten zu fürchten ist: dass einmal nichts geschieht. Dass etwa Stille eintritt, Schweigen, oder ein Wort, dem wir nicht gewachsen sind. (Lothar Zenetti)

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Gott ist ein Spielverderber. Er macht nicht mit beim Gottesbeweis

Diagoras von Melos, Beiname "der Atheist", lebte von ca. 475 bis 410 v.Chr. Er war ein griechischer Rhetoriker und Lyriker. Eines Tages kam er auf eine glorreiche Idee: Er warf ein hölzernes Bild eines Gottes ins Feuer und sagte, die Gottheit sollte sich doch durch ein Wunder selbst retten. - Doch Gott hat nicht mitgespielt. Was für Diagoras ein Beweis war: Gott kann es nicht geben. Sicher ist, dass Diagoras wegen Gottlosigkeit verurteilt worden ist. Er konnte entkommen und ist nach Korinth geflohen. Das Motiv ist also schon alt, und die "Logik"…

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„Christ, der Retter, ist da!“ – allerdings kaum für die Lutheraner!

An Weihnachten singen wir es regelmäßig: "Christ, der Retter, ist da!" Doch die Luther-Übersetzung meidet dieses Wort wie die Pest. Statt "Retter" steht da das altertümliche, in unserem Alltag heute nicht mehr gebräuchliche Wort "Heiland". Für das Verb "retten" steht "selig werden", "geholfen werden" oder "gesund werden". Für das Substantiv "Rettung" steht vor allem "Heil". Wenn "Retter", "retten" oder "Rettung" da stünde, würde sofort die Frage folgen: "Wovor soll oder wovor kann ich denn gerettet werden?" Und hierauf müsste die Theologie aus den Aussagen der neutestamentlichen Schriften Antworten geben. Will die Luther-Übersetzung…

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Tolerantes Lehren statt intolerantes Missionieren?

Warum die Luther-Übersetzung 2017 beim Missionsbefehl Jesu ein Rückschritt ist Die neue Revision der Luther-Übersetzung 2017 hat im letzten Abschnitt des Matthäus-Evangeliums, eine sehr problematische, ja falsche Korrektur vorgenommen. In der letzten Revision Luther 1984 war zu lesen (Mt 28,19f.). Jesus sagt: „Darum gehet hin und machet zu Jüngern alle Völker: Taufet sie auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des heiligen Geistes und lehret sie halten alles, was ich euch befohlen habe.“ In der neuen Revision Luther 2017 steht nun: „Darum gehet hin und lehret alle Völker ...“ Doch…

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