Warum sagt Gott nicht, dass es ihn gibt?

Manfred Lütz (Psychiater, Psychotherapeut und Theologe): Ich bin mit 14 Jahren Atheist geworden. Ich fand Religion eine Sache für Kinder, deren Verstand noch nicht reif genug ist. Was ich vor allem nicht verstand, war, warum Gott nicht einfach ein für alle Male klar und unmissverständlich sagt, dass es ihn gibt, damit man nicht immer so unsicher ist. Ich bin dann unter anderem dadurch wieder zum Glauben gekommen, dass ich begriff, dass ich dann dem allmächtigen ewigen Gott gegenüber ja gar nicht wirklich frei sein könnte, dass ich mich ihm dann einfach nur…

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„JHWH“ – Sagen Sie bitte jetzt nichts!

Der Gottesname JHWH wird im Judentum seit mehr als 2000 Jahren nicht ausgesprochen. Niemand weiß, wie er richtig ausgesprochen wird. Daher kann er sinnvollerweise eigentlich auch von Christen nicht ausgesprochen werden. Außerdem: Das christlich-jüdische Gespräch pflegen zu wollen und gleichzeitig die Gesprächspartner mit der nicht erlaubten Aussprache des Gottesnamens zu verletzen, passt nicht zusammen. Daher sollte dieser Gottesname auch aus Solidarität, aus Rücksichtnahme und aus Höflichkeit gegenüber jüdischen Gesprächspartnern nicht ausgesprochen werden. Gut können wir der Übersetzung Martin Luthers  und der Einheitsübersetzung (und anderen Übersetzungen) folgen und „HERR“ lesen, wo das Tetragramm…

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Gott ist ein Spielverderber. Er macht nicht mit beim Gottesbeweis

Diagoras von Melos, Beiname "der Atheist", lebte von ca. 475 bis 410 v.Chr. Er war ein griechischer Rhetoriker und Lyriker. Eines Tages kam er auf eine glorreiche Idee: Er warf ein hölzernes Bild eines Gottes ins Feuer und sagte, die Gottheit sollte sich doch durch ein Wunder selbst retten. - Doch Gott hat nicht mitgespielt. Was für Diagoras ein Beweis war: Gott kann es nicht geben. Sicher ist, dass Diagoras wegen Gottlosigkeit verurteilt worden ist. Er konnte entkommen und ist nach Korinth geflohen. Das Motiv ist also schon alt, und die "Logik"…

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Wer bin ich? – Wer bist du?

1. Ich möchte gern so sein, wie Gott mich haben will, weil er mich so behandelt, als wäre ich schon so. (Hannelore Frank) 2. Die Liebe besteht nicht darin, dass wir Gott geliebt haben, sondern dass er uns geliebt hat. (1 Joh 4,10) 3. Was du im anderen siehst, entzündest du in ihm. Lerne es, im anderen den von Gott geliebten Menschen zu sehen. (Hanna Hümmer) 4. Wilhelm Schmid über das Kapitel „Über den Umgang mit sich selbst“ in dem Buch „Über den Umgang mit Menschen“ von Adolph Freiherr Knigge: „Es geht…

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Gott will kein Blut sehen

Jesus ist konsequent seinen Weg gegangen, frei und ohne Berechnung. Er hat sich nicht mit dem abgefunden, was ist. Er hat alles dran gesetzt, dass Gott und seinem Reich der erste Platz gebührt und jeder Mensch zu seinem Recht kommt. Er hat damit Anstoß erregt, beson-ders bei den Mächtigen. Er wusste, wohin das führt. Als der Konflikt sich zuspitzte, wich er nicht aus. Er brachte keine fremden Mittel ins Spiel, weder das Schwert des Petrus noch die Legionen Engel. Wehrlos ging er auf die Angreifer zu. Er litt und starb nicht, weil…

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Von ablenkenden Gedanken

In der Stunde der Lehre und des Gebets ist kein trennender Vorhang zwischen dem Menschen und seinem Gott. Auch wenn viele fremde Gedanken in dir aufsteigen: Gewänder und Decken sind sie, hinter denen der Heilige, gesegnet sei Er, sich verbirgt, und wenn du darum weißt, ist da keine Verborgenheit mehr. Martin Buber, Baal Schem Tow. Unterweisung im Umgang mit Gott, Heidelberg 1981, S. 76

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Schweigen – ein „Fasten“, das zu mehr Tiefe, Liebe und Gotteserfahrung führen kann

Heute ist das letzte Buch des großen Neutestamentlers Klaus Berger erschienen: „Schweigen – Eine Theologie der Stille". Es ist ein sehr persönliches Buch. Das Manuskript hat er kurz vor seinem Tod im Juni 2020 an den Verlag geschickt. Prof. Dr. Peter Busch, einer seiner ca. 60 Schüler, die bei ihm promoviert oder habilitiert haben, hat im Anhang des Buches ein Nachwort geschrieben, das Klaus Berger gut beschreibt. „Schweigen“ ist ein Thema, das im Neuen Testament wichtig ist – und das bei den Theologen und Theologinnen in der Regel übergangen und „verschwiegen“ wird.…

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Der „liebe Gott“ – der Opa im Himmel?

Unter dem guten Gott verstehen wir heutzutage fast ausschließlich den „lieben“ Gott; und wir mögen damit auch Recht haben. Aber mit Liebe meinen die meisten von uns in diesem Zusammenhang soviel wie Gutherzigkeit, d. h. den Wunsch, jemand anders glücklich zu sehen, nicht glücklich in diesem oder jenem Sinn, sondern einfachhin glücklich. Was uns wirklich passen könnte, das wäre ein Gott, der zu allem, was wir gerade gern täten, sagen würde: „Was macht es schon, solange sie nur zufrieden sind?“ In der Tat, wir möchten nicht so sehr einen Vater im Himmel…

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Novemberblues? Nööö!

Ab zum Winterschlaf? Sie ist traurig, die Jahreszeit, darin wir stehen. Man möchte glauben, dass das Leben mit der Sonne dahinschwinden wolle. Ein Frösteln rinnt über die Haut und ins Herz. Alle Laute verstummen. Der Himmelssaum verblasst. Alles sinkt, zum Schlafen oder zum Sterben. Gustave Flaubert, November Besser: Wacher Blick auf das wärmende Licht des Lebens! Mache dich auf, werde licht; denn dein Licht kommt, und die Herrlichkeit des HERRN geht auf über dir! Denn siehe, Finsternis bedeckt das Erdreich und Dunkel die Völker; aber über dir geht auf der HERR, und…

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Gott und Jesus Christus und (nochmal) Corona

Der EKD-Ratsvorsitzende und bayerische Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm hat in einem Gespräch mit der Zeitschrift „zeitzeichen“ (am 23.07.2020) anregende „Lehren aus der Corona-Pandemie“ und der „Allmacht und Ohnmacht Gottes“ gegeben: „Gott erfahren wir in Jesus Christus. Und Jesus Christus hat geheilt, nicht getötet. Deswegen kann es nicht so sein, dass diejenigen Recht haben, die Kausalverbindungen zwischen dem Handeln Gottes und der Corona-Pandemie herstellen. Der, der am Kreuz schreit: ‚Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen?‘, ist präsent, der ist da in der Corona-Krise. Wir müssen Abschied nehmen von einem Bild von…

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Gott möge die Stille segnen

Im Übrigen meine ich Dass Gott unser Herr Uns einen großen Sommer schenke Den Familien einen Korb voll Ruhe Und viele hoffnungsvolle Blicke auf Grün und Blau Wiesen und Wasser und weiße Strände – Leise Monate Dass Er das Geschrei aus der Welt nimmt Und Stille verordnet Alle können daran mittun und daran arbeiten Dass das Leben langsamer verläuft Dass die Welt alle Aufregung verliert Und die Menschen sich länger ansehen können Um sich zu sagen: Wir lieben euch! Gott unser Herr möge die Stille segnen Möge diese Stille denen überall in…

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Das Fragment des Lebens

Dietrich Bonhoeffer schreibt 1944: „Je länger wir aus unserem eigentlichen beruflichen und persönlichen Lebensbereich herausgerissen sind, desto mehr empfinden wir, dass unser Leben ... fragmentarischen Charakter hat. ... Es kommt wohl nur darauf an, ob man dem Fragment des Lebens noch ansieht, wie das Ganze eigentlich angelegt und gedacht war und aus welchem Material es besteht. Es gibt schließlich Fragmente, die ... bedeutsam sind auf Jahrhunderte hinaus, weil ihre Vollendung nur eine göttliche Sache sein kann, also Fragmente, die Fragmente sein müssen – ich denke zum Beispiel an die Kunst der Fuge.…

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Pfingsten: Feuer – Wasser – Wind

Paulus schreibt hier seine schönsten Sätze: "Wir haben Frieden mit Gott durch Jesus Christus, unseren Herrn. Durch ihn haben wir im Glauben den Zugang zu der Gnade erhalten, in der wir stehen, und rühmen uns der Hoffnung auf die Herrlichkeit Gottes. ... Die Liebe Gottes ist ausgegossen in unsere Herzen durch den Heiligen Geist, der uns gegeben ist." (Röm 5,1.2.5).Das ist so faszinierend an diesem Geist Gottes: Er ist so dynamisch, so voll Kraft und Energie, so voll Bewegung, dass man ihn mit einem Wort gar nicht beschreiben kann:Er ist wie etwas…

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Theodizee – oder: Stolpern über den eigenen Verstand

Neben gelungenen VHS-Online-Vorträgen in der Corona-Hochsaison gab es auch einen Tiefschlag. Ein Professor der Theologie (!) referierte über: „Gibt es Gott und wenn ja, warum lässt er Unschuldige sterben? - Die Theodizee-Frage aus philosophischer Perspektive“ Die Anfangs-These war ja noch nicht falsch: Es geht nicht um die Rechtfertigung Gottes angesichts von Leid, sondern um die Rechtfertigung unseres Glaubens an Gott. Leider zeigen die Ergebnisse des Referenten massive theologische Defizite und methodische Fehler. Einige seiner „(kontroversen) Thesen“: „Da Gott unparteiisch ist, ist es falsch, sich ihn als liebenden Vater vorzustellen. Kein Vater, der…

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