Wissen – Unwissen – Nutzloses Wissen
oder:
Was man alles nicht wissen muss

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Es gibt Dinge, von denen wir wissen,
dass wir sie wissen.

Es gibt Dinge, von denen wir wissen,
dass wir sie nicht wissen.

Es gibt Dinge, von denen wir nicht wissen,
dass wir sie wissen.

Es gibt Dinge, von denen wir nicht wissen,
dass wir sie nicht wissen.

Und dann gibt es noch Dinge,
von denen wir (nicht?) wissen,
dass wir sie eigentlich gar nicht wissen müssen:
Nutzloses Wissen.

(Donald Rumsfeld, ehemaliger US-Verteidigungsminister, hat am 12. Februar 2002, in einem Briefing eine verkürzte, jedoch sehr verbreitete Version dieser „Weisheit“ von sich gegeben.)

Eine kleine Auswahl dieser riesigen Menge an Dingen, die wir nicht unbedingt wissen müssen, hier:

Mitglieder der NSDAP stellten vor ihren Namen die Abkürzung „Pg.“ für „Parteigenosse“. Juden haben dies jedoch anders gelesen, nämlich als „‚Pege‘, was in der jüdischen Familiensprache ‚unangenehmer Kerl‘ bedeutete und auf ‚Pegra‘, ‚Pegera‘ verwies. Dieser Ausdruck gehört zu jiddisch ‚pega ra‘ = ‚böser Zufall‘ und stand bei deutschen Juden ebenfalls für ‚üble Person‘. Dass dies bereits 1930 im Jüdischen Lexikon zu lesen war, dürfte den Nazis entgangen sein.“

(Hans Peter Althaus, Chuzpe, Schmus & Tacheles, München 2015, 3. Auf., S. 23)

Mark Twain (1835 – 1910) erzählt:

„An einem Morgen predigte statt eines Pfarrers ein Missionar, der eine prachtvolle Stimme hatte. In ergreifender Schlichtheit erzählte er von den Leiden der Schwarzen und wie sie dringend Hilfe benötigten. Ich war so gerührt, dass ich statt der fünfzig Cent, die ich zu opfern gedachte, die Spende verdoppeln wollte. Die Schilderungen des Missionars wurden immer eindringlicher, und ich nahm mir vor, meine Gabe weiter zu steigern: auf zwei, drei Dollar, vier, fünf Dollar. Schließlich war ich fast dem Weinen nahe und fand, alles Geld, das ich bei mir hatte, reiche nicht, und ich müsse dem Redner einen ansehnlichen Scheck aushändigen.

Der Missionar aber redete und redete, und die Sache wurde mir allmählich langweilig. Immer mehr ließ ich die Idee mit dem Scheck fallen. Kleiner und kleiner wurde meine Spende. Der Missionar redete immer noch. Ich dachte: Ein Dollar genügt. Und der Missionar redete. Und als er fertig war, legte ich zehn Cents auf den Teller.“

Der weise und volkstümliche Dithmarscher Theologe Klaus Harms (1778 – 1855) ermahnte häufig die jungen Theologen dringend, sich gründlich auf ihre Predigten vorzubereiten. Sie dürften sich nicht darauf verlassen, dass ihnen andernfalls auf der Kanzel der Heilige Geist eingeben werde, was sie reden sollten. Er habe es auch einmal damit versucht. Auf der Kanzel aber habe ihm der Heilige Geist nichts anderes gesagt als: „Klaus, du bist faul gewesen.“

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Aufmerken ließ mich ein „Hinweis“ im Korrespondenzblatt des Pfarrer- und Pfarrerinnenvereins in der Evang.-Luth. Kirche in Bayern:

Die Bibliothek im Landeskirchenamt der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Bayern in München löst ihren theologischen Zentralbestand auf. In diesem Zusammenhang bieten wir Ihnen an, bei Interesse Bücher aus diesem thematischen Bereich kostenlos zu übernehmen. …

Lese ich richtig? Die Kirche verabschiedet sich von der Theologie?? Mag das ein Symptom sein für eine Enttheologisierung der Kirche?? Das Landeskirchenamt als reine Verwaltungsbehörde!? Haben die Verwaltungsbeamten über die Theologie gesiegt??

11.05.2021
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Der englische Bischof Alfons Woodcliff reiste nach New York. Bei seiner Ankunft wurde er von einem Reporter eines Boulevardblattes provozierend gefragt, ob er auch die berühmten Nachtlokale besuchen würde.

Der Bischof war vor solchen Reportern schon gewarnt worden. Er antwortete vorsichtig: „Gibt es denn Nachtlokale in New York?“

Am Tag darauf musste er in der Zeitung die Schlagzeile lesen: „Erste Frage des Bischofs Woodcliff: Gibt es Nachtlokale in New York?“

Thomas von Aquin (1225 – 1274, Dominikaner, bedeutender Kirchenlehrer) sah bei einem Besuch des Papstes einige Goldmünzen auf dessen Tisch liegen. Der Papst folgte seinem Blick. „Du siehst“, sagte der Papst, „dass die Kirche nicht mehr in der Zeit lebt, wo sie sagte: ‚Ich habe weder Gold noch Silber‘.“ – „Das ist wohl wahr, Eure Heiligkeit“, antwortete Thomas, „aber ebenso wenig kann sie mehr zu dem Lahmen sagen: ‚Steh auf und geh umher!'“

Vom röm.-kath. Theologen Karl Rahner (1904 – 1984) wird ein bemerkenswerter Ausspruch über die Bedeutung von Dogmen überliefert:

„Dogmen sind wie Laternen in der Nacht. Sie sollen einem den richtigen Weg weisen. Nur Betrunkene klammern sich daran.“

Rudolf Bultmann war 1916 zum außerordentlichen Professor für Neues Testament nach Breslau berufen worden. Er war damals noch wenig bekannt, und so fragte  ihn der katholische Alttestamentler Johannes Nikel (1836-1924) auf dem gemeinsamen Heimweg höflich nach seinem Fach. „Ich bin Neutestamentler“, gab Bultmann zur Antwort. „Sie Glücklicher!“ erwiderte Nikel, der ruhig weiterging, und dann mit einem kleinen Seufzer: „- die paar Wunder!“

Anmerkung:
So klingt es, wenn Theologen über ihren Verstand stolpern …

 

Bundeskanzler Konrad Adenauer (1876 – 1967) in einer Rede:

 

Wenn ich damals Papst gewesen wäre, wär dat mit der Reformation nich passiert, meine Herren. Ich hätt mir den Luther mal kommen lassen, dat war doch ne vernünftige Mann.

Bischof Wilhelm Stählin war von 1926 bis 1945 Professor in Münster und prüfte auch im theologischen Examen: „Nennen Sie mir irgendein Gleichnis Jesu“, fragte er den Kandidaten. Dieser war schon etwas verwirrt, die Prüfungsangst kam dazu, so fiel ihm nur ein einziges ein: „Das Gleichnis von den sieben fetten und sieben mageren Jungfrauen“.

[Zur Erläuterung: Im Alten Testament deutete Josef deutete einen Traum Pharaos, in dem sieben schöne, fette Kühe aus dem Nil stiegen, die im Gras weideten. Anschließend kamen auch noch sieben hässliche und magere Kühe. – Und im Neuen Testment gibt es ein Gleichnis, das Jesus erzählt hat: Das Reich Gottes gleicht zehn Jungfrauen, von denen fünf klug und fünf töricht waren. – Da ist natürlich schnell eine Verwechslung möglich …]. 

Als der Dichter, Philosoph und Theologe Johann Gottfried Herder (1744-1803) in seiner Zeit als Generalsuperintendent von Sachsen-Weimar 1778/79 zu einer Studienreise in Italien weilte, geriet er dort mit einem katholischen Geistlichen ins Gespräch. Der fragte: „Wie können Sie Ihre Herde so lange allein lassen?“ – Herder entgegnete: „Das hat nichts zu bedeuten. Bei uns in Deutschland ist längst die Stallfütterung eingeführt.“

Dietrich Buxtehude wurde 1668 im Alter von 31 Jahren Organist an der Marienkirche in Lübeck und blieb dort zu seinem Tod im Jahr 1707. Er war schon zu Lebzeiten weltberühmt und vielbewundert. Seine Orgelvorspiele waren genial. Seine Abendmusiken „Castrum Doloris“ machten Geschichte. Albert Schweitzer schreibt, dass Buxtehude „wohl als der eigentliche Schöpfer der deutschen Orgeltokkata gelten“ dürfte.

Johann Sebastian Bach hatte sich im Jahr 1705 – er war gerade 20 Jahre alt – von Arnstadt (Thüringen) aus zu Fuß auf den Weg gemacht, um vom großen Meister persönlich zu lernen. Es war immerhin ein Weg von mehr als 460 km, zu dem er zehn Tage brauchte. Eigentlich waren ihm nur vier Wochen „Bildungsurlaub“ gewährt worden. Doch er verlängerte ihn einfach um zwölf Wochen, so dass er am 21. Februar 1706 im Konsistorium von Arnstadt wegen seiner Urlaubsüberschreitung vernommen und gerügt wurde.

Wahrscheinlich hat sich Bach anfangs auch für die Nachfolge des in die Jahre gekommenen Organisten interessiert. Nach damaligem Brauch hätte er die Tochter des amtierenden Marienorganisten heiraten müssen, um dessen Nachfolge antreten zu können, doch Bach war damals bereits mit Maria Barbara verlobt. Buxtehude hatte sich an diesen Brauch gehalten: Er heiratete am 3. August 1668 die Tochter Anna Margaretha seines Vorgängers Franz Tunder in St. Marien in Lübeck. Georg Friedrich Händel und Johann Mattheson hatten die Stelle Buxtehudes ebenfalls ins Auge gefasst und waren deshalb nach Lübeck gereist – und hatten ihr Interesse verloren. Nachfolger von Buxtehude wurde schließlich Johann Christian Schieferdecker, der brav dessen Tochter Anna Margreta geheiratet hatte.

Jedenfalls erwarb sich Dietrich Buxtehude ein hohes Ansehen als Komponist und Organist weit über den norddeutschen Raum hinaus. Doch mit seinem Kirchenchor, den er leitete, war es nicht immer so einfach. Seinem angestauten Ärger machte er Luft, als er einmal den Auftrag erhielt, zu einem besonderen Fest eine Kantate zu schreiben. Der Text, den er dafür auswählte, begann mit den Worten: „Wir können nichts tun ohne die Gnade des Herrn.“ Da Buxtehude diesen Satz in einer Fuge verarbeitete, hörte die Festversammlung mit innerem Vergnügen, wie zuerst die Bässe bekannten: „Wir können nichts! Wir können nichts!“, dann die Tenöre zugaben: „Wir können nichts! Wir können nichts!“, und auch Alt und Sopran versicherten: „Wir können nichts! Wir können nichts!“ Als schließlich der gesamte Chor mit aller Inbrunst heraus schmetterte: „Wir können alle nichts! Wir können alle nichts!“, hatte jeder im Saal verstanden, wie das gemeint war.

Albrecht Alt (1883 – 1956) war Theologieprofessor für Altes Testament in Leipzig. Er berichtet in seinem Seminar (in der Hitler-Zeit) von der orientalischen Sitte, einem Zug von Kamelen einen Esel vorangehen zu lassen. Dessen etwas schnellerer Schritt hindert die Kamele, in einen allzu gemächlichen Trott zu fallen. Ein Student hat die Technik dieser Anordnung nicht ganz begriffen und fragt, ob jedem einzelnen Kamel ein Esel vorgespannt würde. „Nein“, antwortete Alt mit Entschiedenheit, „das hieße nun doch wirklich, das Führerprinzip auf die Spitze zu treiben“.

Am 6. November 1717 „ist der bisherige Concert-Meister und Hof-Organist, Bach, wegen seiner Halßstarrigen Bezeügung und zu erzwingenden dimission [Entlassung], auf der LandRichter-Stube arretiret [eingesperrt worden].“

Die Vorgeschichte: Fürst Leopold hat Johann Sebastian Bach am 5. August 1717 zum Hofkapellmeister und „Director unserer Cammer Music“ in Anhalt-Köthen ernannt. Bereits ab diesem Monat bekommt Bach schon Gehaltszahlungen. Jedoch steht er zu diesem Zeitpunkt noch im Dienst von Herzog Wilhelm Ernst von Sachsen-Weimar. Der Ton, in dem er von ihm die umgehende Entlassung fordert, missfällt dem Herzog so sehr, dass er ihn zum Abschied einsperren lässt. Bach hätte den Herzog um Erlaubnis bitten müssen, entlassen zu werden, bevor er einen neuen Vertrag unterschreibt. Bach hatte vielleicht aus Kränkung in Anhalt-Köthen zugesagt. Denn der Herzog von Weimar hatte Georg Philipp Telemann die Stelle als Kapellmeister angeboten und nicht Johann Sebastian Bach, obwohl er schon neun Jahre lang in Weimar unter Vertrag stand.

Vier Wochen lang sitzt Bach im Gefängnis. Er soll dort am „Wohltemperierten Klavier“ und am „Orgelbüchlein“ gearbeitet haben. Am 2. Dezember 1717 wird er aus der Haft und aus dem Dienstverhältnis in Ungnade entlassen.

Zu Weihnachten 1717 tritt Bach seine neue Stelle an. Zu seinem neuen Arbeitgeber, Leopold von Anhalt-Köthen entwickelt sich eine persönliche Freundschaft, die auch noch anhält, als er 1723 als Thomaskantor nach Leipzig wechselt. Jedes Jahr komponiert Bach zu seinem Geburtstag eine Festkantate für ihn.

Das Weihnachtslied „O Tannenbaum“ hat eine bewegte Geschichte. Die Melodie ist alt (ca. 16. Jahrhundert) und geht – wie viele Kirchenlieder – zurück auf ein weltliches Lied: „Es hing ein Stallknecht seinen Zaum“ oder „Es lebe hoch der Zimmermannsgeselle“. Sie wurde beim Studentenlied „Lauriger Horatius“ gesungen. Im 19. Jahrhundert war sie als schlesisches Volkslied verbreitet und als tragisches Liebeslied, in dem August Zarnack den beständigen Tannenbaum als Gegenbild zu einer untreuen Geliebten sah (2. Strophe: „O Mägdelein, o Mägdelein, wie falsch ist dein Gemüte“).

Ein Lied der Internationalen Arbeiterbewegung „Die Rote Fahne“ geht ebenso auf die Melodie von „O Tannenbaum“ wie die Hymne der US-amerikanischen Bundesstaaten Maryland („Maryland, My Maryland“), Florida, Michigan und Iowa. Auch das Nankai-Gymnasium mit Universität (Tianjin, VR China) verwenden diese Melodie, ebenso wie der englische Fußballverein FC Chelsea „We‘ll keep the blue flag flying high“. Auch auf Island existiert ein Schullied mit der Melodie von „O Tannenbaum“ („Í skólanum, í skólanum, er skemmtilegt að vera“).