Hören – und doch nicht hören?

Igor Levit, großartiger Weltklasse-Pianist, hat in einem Interview etwas gesagt, was für mich anregend und bemerkenswert ist: „Wen hören die Menschen? Hören sie Beethoven oder hören sie mich Beethoven spielen?“ Wie ist das eigentlich im Gottesdienst? Hören die Menschen das Evangelium? Oder hören sie, wie jemand das Evangelium präsentiert (oder „inszeniert“)? Oder hören sie weder das eine noch das andere?

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„Christ, der Retter, ist da!“ – allerdings kaum für die Lutheraner!

An Weihnachten singen wir es regelmäßig: "Christ, der Retter, ist da!" Doch die Luther-Übersetzung meidet dieses Wort wie die Pest. Statt "Retter" steht da das altertümliche, in unserem Alltag heute nicht mehr gebräuchliche Wort "Heiland". Für das Verb "retten" steht "selig werden", "geholfen werden" oder "gesund werden". Für das Substantiv "Rettung" steht vor allem "Heil". Wenn "Retter", "retten" oder "Rettung" da stünde, würde sofort die Frage folgen: "Wovor soll oder wovor kann ich denn gerettet werden?" Und hierauf müsste die Theologie aus den Aussagen der neutestamentlichen Schriften Antworten geben. Will die Luther-Übersetzung…

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Gottesmüdigkeit – Verlieben – Leidenschaft

Was uns fehlt, ist die Ausstrahlung. Die Gottesmüdigkeit, die mangelnde Glaubenslust ist unsere eigentliche Schwäche. Wir leugnen Gott nicht, aber wir rechnen auch nicht ernsthaft mit ihm. Unser Gott ist weder zu fürchten noch zum Verlieben. Fängt jemand damit an, wird er schnell in die charismatische Ecke gestellt. So reden und erklären wir alles Mögliche, aber es kommt kaum durch, was wir der Welt schulden: das Zeugnis vom lebendigen Gott. Dazu braucht‘s zuerst nicht ausgeklügelte Strategien und gestylte Kampagnen, sondern Leidenschaft für Gott und die Menschen. Wir haben etwas zu sagen, für…

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Die Freude des lebendigen Gottes!

Die Freude des lebendigen Gottes und das Elend des Atheismus von Jürgen Moltmann Ich denke: Das Christentum ist eine Religion der Freude Gottes. Jedenfalls macht der christliche Auferstehungsglaube das Leben zu einem Fest, zu „einem Fest ohne Ende“, wie der Kirchenvater Athanasius an einem Ostertag in Alexandria sagte. Wir wollen die positiven Dimensionen der „großen Freude“ in den weiten Räumen Gottes ermessen, der uns näher ist, als wir denken, und unser Leben weiter macht, als wir ahnen. Freude ist Kraft zum Leben, Schwung zur Liebe und Lust am schöpferischen Anfang. Wir sind…

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Verloren – und nicht gefunden?

Ein Wort aus dem 2. Korintherbrief irritiert: Das Evangelium ist denen verhüllt, die verloren gehen. Was ist mit den „Verlorenen“? 1. Der Abschnitt aus 2 Kor 4,2-4 (Luther-Übersetzung): 2 Wir haben uns losgesagt von schändlicher Heimlichkeit und gehen nicht mit List um, verfälschen auch nicht Gottes Wort, sondern durch Offenbarung der Wahrheit empfehlen wir uns dem Gewissen aller Menschen vor Gott. 3 Ist aber unser Evangelium verdeckt, so ist's denen verdeckt, die verloren werden, 4 den Ungläubigen, denen der Gott dieser Welt den Sinn verblendet hat, dass sie nicht sehen das helle…

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wer bist du

schon immer erwartet wie eine große liebe und doch ganz anders dein name ein fremdwort das sich selber übersetzt hinein in unser fleisch und blut du bist das gottgesättigte wort und zugleich für unsre armen worte gottes offenes ohr von den großen klein gemacht hast du doch die kleinen groß gemacht den habenichtsen dieser erde bist du der künder eines freien himmels einheimisch im heiligen geheimnis ziehst du alle zu dir hin die sich selber in der fremde sind angesichts deiner leuchtet das göttliche antlitz menschlich sichtbar mein wahres ansehen empfange ich…

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Geistliche Kompetenz in der „Gemeinschaft der Heiligen“

Ein Aufsatz von Prof. Dorothea Wendebourg hat mich angeregt: Der Gottesdienst ist nicht irgendeine Zusammenkunft. Hier versammelt sich die aus dem Evangelium lebende Gemeinschaft vor dem heiligen Gott. Deshalb ist der Gottesdienst Gottesverehrung. Es ist gut, sich die Grundlagen von Kirche und Gottesdienst immer neu bewusst zu machen. Nicht nur am Reformationstag, wo an das Wort von Paulus erinnert wird: "Einen anderen Grund kann niemand legen außer dem, der gelegt ist, welcher ist Jesus Christus" (1Kor 3,11). Ich allerdings hätte dann am Schluß des Aufsatzes ein wenig andere Konsequenzen gezogen ... -…

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Auferstehung!

Der röm.-kath. Theologe Prof. Dr. Eberhard Schockenhoff (Moraltheologie) ist am 18. Juli 2020 im Alter von 67 Jahren nach einem Unfall gestorben. In einem Interview mit der ZEIT vom 5. April 2015 sprach er über seinen Bruder, den Politiker Andreas Schockenhoff, der vor kurzem gestorben war: Ich habe für ihn das Requiem gehalten, und als ich an seinem Grab stand, war ich mir ganz sicher, dass das kein Abschied für immer ist. Allerdings glaube ich nicht an eine familiäre Wiedersehensfeier im Himmel, wie man sich das so kindlich vorstellt. Das menschliche Leben…

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Klaus Berger ist nicht tot

- so heißt die Überschrift eines Nachrufs. "Klaus Berger: Gelebte Ganzhingabe" - so lautet eine andere Überschrift. Beides ist richtig. Am Montag, 8. Juni 2020 ist er in Heidelberg gestorben. Was bleibt von ihm? Vieles! 70 Bücher, die er geschrieben hat. Viele wissenschaftliche und viele allgemeinverständliche Aufsätze. Kluge, gelehrte und humorvolle Vorträge und Vorlesungen, mit denen er die Herzen der Hörerinnen und Hörer erreicht hat, bleiben in guter Erinnerung. Und vor allem: Er hat bei mir Freude geweckt und hat mir Freude vermittelt an historischer, theologischer und konstruktiver Exegese, die den Bibeltext…

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Pfingsten: Feuer – Wasser – Wind

Paulus schreibt hier seine schönsten Sätze: "Wir haben Frieden mit Gott durch Jesus Christus, unseren Herrn. Durch ihn haben wir im Glauben den Zugang zu der Gnade erhalten, in der wir stehen, und rühmen uns der Hoffnung auf die Herrlichkeit Gottes. ... Die Liebe Gottes ist ausgegossen in unsere Herzen durch den Heiligen Geist, der uns gegeben ist." (Röm 5,1.2.5).Das ist so faszinierend an diesem Geist Gottes: Er ist so dynamisch, so voll Kraft und Energie, so voll Bewegung, dass man ihn mit einem Wort gar nicht beschreiben kann:Er ist wie etwas…

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Wer ist Jesus?

Interessante Abschnitte aus einem "Nachtgespräch über Jesus von Nazareth": "Ich geriet an das Buch eines Neutestamentlers, ... der ein anerkannter Theologe sein muss. Er schreibt am Anfang seines Buches, er sei Christ, er lehre Theologie an einer Theologischen Fakultät, er sei ordinierter Pfarrer, er predige und er liebe das Urchristentum und seine Texte. Ein Abschnitt des Buches ist überschrieben: 'Wie kam es zur Vergöttlichung Jesu?' Da habe ich aufgegeben" (S. 16). "Ein Jesus, der von der Kirche nach dem Muster griechischer Heroen und römischer Kaiser 'vergottet' wird, ist dann lediglich eine bedeutende…

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